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Sommerblumen für Bienen & Schmetterlinge: 12 Pflanzen, die garantiert anlocken

Welche Sommerblumen ziehen Bienen und Schmetterlinge wirklich an — und welche kannst du dir sparen? Hier kommen 12 Pflanzen mit Steckbrief, Blütezeit und ehrlichen Pflegehinweisen. Für Garten, Hochbeet und Balkon.

Im Juli, kurz nach Sonnenaufgang, ist mein Garten lauter als die Straße davor. Nicht laut wie ein Bagger — laut wie ein Kühlschrank, der nicht aufhört zu summen. Hunderte Hummeln, Wildbienen und Schwebfliegen arbeiten gleichzeitig an einem einzigen Phlox-Strauch. Wenn du das einmal gehört hast, willst du es jeden Sommer wieder.

Im insektenfreundlichen Garten habe ich dir die Grundregeln erklärt: Nahrung, Wasser, Lebensraum, das ganze Jahr über. Hier geht es eine Ebene tiefer. Welche Sommerblumen ziehen Bestäuber wirklich an? Nicht die, die im Gartencenter neben dem Eingang stehen. Sondern die, die nach drei Jahren noch da sind, sich versamen und im August von Bienen schwarz sind.

Was macht eine Sommerblume bienenfreundlich?

Bestäuberfreundliche Sommerblumen sind Pflanzen, die zwischen Juni und September offen zugängliche, pollen- und nektarreiche Blüten bilden und damit Wildbienen, Honigbienen und Schmetterlinge versorgen. Drei Merkmale entscheiden:

  1. Ungefüllte Blüten. Gezüchtete „gefüllte“ Sorten (alles, was wie eine Pompon-Dahlie aussieht) tragen keinen Pollen mehr. Hübsch für uns, nutzlos für die Biene.
  2. Lange Blühphase. Eine Pflanze, die 8 Wochen blüht, schlägt drei Pflanzen, die je 2 Wochen blühen.
  3. Heimisch oder zumindest naturnah. Heimische Wildbienen sind oft spezialisiert. Eine exotische Schau-Sorte hilft maximal Hummeln und Honigbienen — die seltenen Arten gucken in die Röhre.

Die 12 besten Sommerblumen für Bienen und Schmetterlinge

Sortiert grob nach Blühbeginn, damit du eine durchgehende Blühkette planen kannst — von Juni bis weit in den Oktober hinein.

1. Storchschnabel (Geranium ‚Rozanne‘)

Blütezeit: Juni–Oktober  |  Anzieht: Hummeln, Wildbienen, Schwebfliegen
Standort: Sonne bis Halbschatten, durchlässiger Boden

Die Sorte ‚Rozanne‘ ist Dauerblüher Nummer eins. Vier Monate violett-blaue Blüten, die nie aufhören. Pflanzt du sie als Bodendecker unter höhere Stauden, hast du den ganzen Sommer eine summende Unterschicht.

Profi-Tipp: Nicht mit dem klassischen Balkon-Geranium (Pelargonien) verwechseln. Die haben mit Storchschnabel nichts zu tun und nützen Insekten gar nichts.

2. Lavendel (Lavandula angustifolia)

Blütezeit: Juni–August  |  Anzieht: Honigbienen, Hummeln, Tagfalter
Standort: Volle Sonne, magerer kalkhaltiger Boden

Der Klassiker, und ja: Lavendel funktioniert wirklich. Eine einzige große Pflanze im Vollsommer ist ein Hummel-Highway. Aber: Lavendel blüht nur 6 Wochen. Er ist eine Säule, kein Programm. Wenn du ohnehin schon einen Lavendel-Streifen hast — gut. Wenn nicht: setz ihn an einen warmen Mauerfuß, dann blüht er Jahre.

3. Bienenfreund (Phacelia tanacetifolia)

Blütezeit: Mai–September (gestaffelt aussäen)  |  Anzieht: Honigbienen, Hummeln, Schwebfliegen
Standort: Sonne, jeder Boden  |  Einjährig – muss neu gesät werden

Der Name ist Programm. Phacelia gilt als die nektarreichste einjährige Bienenpflanze überhaupt. Säe sie im April, Mai, Juni und Juli — du hast bis in den Herbst eine endlose Blühfolge in zartem Violett. Als Bonus: Phacelia ist Gründüngung. Wenn du sie im Herbst einfach umgräbst, hast du nebenbei den Boden verbessert.

Profi-Tipp: Eine Tüte als Mischung in einer naturnahen Bienenweide aussäen — dann hast du Phacelia plus Klee plus Buchweizen plus Sonnenblumen in einem Beet.

4. Wilde Möhre (Daucus carota)

Blütezeit: Juni–September  |  Anzieht: Wildbienen, Schwebfliegen, Schmetterlingsraupen
Standort: Sonne, durchlässig, mager

Sieht aus wie eine zartere, wildere Variante der bekannten Wiesen-Doldenblüte. Wichtig vor allem für den Schwalbenschwanz — dessen Raupen brauchen Doldenblütler. Wenn du also Schmetterlinge willst, nicht nur Bienen, kommt die Wilde Möhre auf die Liste.

5. Skabiose (Scabiosa columbaria)

Blütezeit: Juni–Oktober  |  Anzieht: Tagfalter (vor allem Bläulinge), Wildbienen
Standort: Sonne, mager bis normal

Schwebende Pastell-Kugeln auf dünnen Stielen, fast vier Monate durchblühend. Skabiosen sind Schmetterlings-Lieblinge — und sie wirken im Beet leicht und fein, nicht wuchtig. Gut als Übergang zwischen niedrigem Storchschnabel und hohem Phlox.

6. Indianernessel / Monarde (Monarda didyma)

Blütezeit: Juli–September  |  Anzieht: Hummeln, Schmetterlinge, Tagfalter
Standort: Sonne, nährstoffreich, frisch

Knallrote oder rosa-violette Wirbel, die aussehen, als hätte jemand einen kleinen Wasserwerfer angeworfen. Riecht zerrieben nach Bergamotte. Monarden lieben es nicht zu trocken — wenn dein Garten im Sommer austrocknet, lass sie weg oder gieße konsequent.

7. Sonnenhut (Echinacea purpurea)

Blütezeit: Juli–September  |  Anzieht: Honigbienen, Hummeln, Schmetterlinge, Käfer
Standort: Volle Sonne, durchlässig

Wenn du nur eine einzige Staude pflanzen willst und sie soll zuverlässig wirken: Sonnenhut. Vier Monate Blüte, hartherzig gegen Trockenheit, lockt jede Bestäuberklasse an. Die Samenstände im Spätsommer und Herbst sind dann noch Stieglitz-Futter. Doppelte Belohnung.

Profi-Tipp: Verblühte Stängel nicht abschneiden. Wildbienen überwintern in den hohlen Stängeln.

8. Stauden-Phlox (Phlox paniculata)

Blütezeit: Juli–September  |  Anzieht: Schmetterlinge (vor allem Tag-Pfauenauge, Distelfalter), Schwärmer am Abend
Standort: Halbschatten bis Sonne, frisch-feucht, nährstoffreich

Der Phlox aus meiner Eingangs-Szene. Süßer, schwerer Duft, der den ganzen Abend trägt. Wichtig: keine gefüllten Sorten kaufen, sondern die klassischen einfachen. Die hohen Sorten (1,20 m) werden in dichten Trauben zum Schmetterlingsmagneten — vor allem in der Dämmerung, wenn die Taubenschwänzchen kommen.

9. Sonnenbraut (Helenium)

Blütezeit: Juli–September  |  Anzieht: Honigbienen, Wildbienen, Hummeln
Standort: Sonne, nährstoffreich, frisch

Rotgelbe oder orange Flammen, oft sortenrein in kräftigen Farbblöcken gepflanzt. Helenium hat eine der höchsten Pollen- und Nektarausbeuten unter den Stauden. Optisch eine andere Liga als der zartfühlige Skabiosen-Look — beides nebeneinander gibt einen schönen Reibungskontrast.

10. Wasserdost (Eupatorium cannabinum / E. maculatum)

Blütezeit: Juli–September  |  Anzieht: Schmetterlinge (massenhaft!), Hummeln
Standort: Sonne bis Halbschatten, frisch bis feucht

Heimische Pflanze, die in alten Gartenratgebern oft fehlt — zu Unrecht. Im Spätsommer trägt jeder einzelne Blütenstand drei, vier, fünf Schmetterlinge gleichzeitig. Wer den klassischen Schmetterlingsflieder ersetzen will, weil der invasiv ist: Wasserdost ist die heimische Antwort.

11. Sommerflieder / Schmetterlingsstrauch (Buddleja davidii) — mit Vorbehalt

Blütezeit: Juli–September  |  Anzieht: Tagfalter (massiv), Hummeln, Honigbienen
Standort: Sonne, jeder Boden

Ja, er funktioniert. Tagpfauenauge, Admiral, Kohlweißling, Distelfalter — alle hängen dran. Aber: Buddleja ist in Deutschland als invasive Art eingestuft. In Bahndämmen, Brachen und Flussufern verdrängt er heimische Pflanzen. Wenn du ihn anpflanzt, dann regelmäßig verblühte Rispen abschneiden — bevor sich Samen bilden. So nutzt du den Schmetterlingsmagneten, ohne der Natur zu schaden.

Bessere Alternative: Wasserdost (siehe oben).

12. Goldrute (Solidago — heimische Arten!)

Blütezeit: August–Oktober  |  Anzieht: Wildbienen, Hummeln, Schwebfliegen
Standort: Sonne, anspruchslos

Spätblüher — der schließt deine Saison. Wichtig: ausschließlich heimische Arten wie Solidago virgaurea pflanzen. Die nordamerikanische Kanadische Goldrute (Solidago canadensis) ist ein invasiver Albtraum, der ganze Flächen überwuchert. Sortenetikett lesen lohnt sich.

Drei Pflanzregeln, mit denen jede dieser Pflanzen funktioniert

  1. Boden vorbereiten. Die meisten dieser Stauden wollen durchlässig, nicht üppig. Schwerer Lehmboden? Mit Sand und Kies abmagern. Reiner Sandboden? Mit Kompost auffüllen. Die einzige Ausnahme: Monarde und Phlox — die mögen es nährstoffreicher.
  2. Gruppen pflanzen, nicht Einzelstücke. Ein Sonnenhut ist nett. Fünf Sonnenhüte in einer Gruppe sind ein Signal. Bestäuber finden Pflanzen über Farbe und Duft — eine Gruppe ist sichtbar, eine einzelne Pflanze nicht.
  3. Im Frühjahr nicht zu früh abräumen. Verblühte Stängel sind Winterquartiere. Erst ab April schneiden, wenn die Wildbienen ausgeflogen sind. Mehr dazu im insektenfreundlichen Garten.

Was du heute machen kannst (auch ohne großen Garten)

  • Tüte Bienenfreund-Saatgut kaufen. Kostet 3 Euro. Säe einen Streifen — egal wo. Innerhalb von 8 Wochen blüht es.
  • Eine Sorte Wildblumen-Saatgut als Mischung ansäen. Spart dir das Einzelpflanzen-Puzzle der ersten Saison.
  • Bienentränke aufstellen. Flache Schale, ein paar Steine zum Landen, halbschattig. Wird in der Sommerhitze überraschend stark angenommen.
  • Ein Insektenhotel mit Hartholzblöcken und Bambusröhrchen aufhängen — südlich ausgerichtet, regengeschützt.

Auch wer nur einen Balkonkasten hat, kann mitspielen — wie das geht, steht im Balkongarten anlegen. Wer den größten Hebel will, ersetzt seinen Rasen durch eine Wildblumenwiese.

FAQ — die häufigsten Fragen

Welche Sommerblumen lieben Bienen am meisten?

Die nektarreichsten Sommerblumen für Bienen sind Phacelia (Bienenfreund), Sonnenhut, Lavendel, Sonnenbraut und Borretsch. Phacelia gilt als die ergiebigste einjährige Bienenpflanze überhaupt, Sonnenhut und Sonnenbraut sind die zuverlässigsten Dauerblüher unter den Stauden.

Welche Blumen ziehen Schmetterlinge an?

Schmetterlinge bevorzugen Pflanzen mit langen, schmalen Blütenröhren und Duft. Top-Anzieher sind Wasserdost, Phlox, Skabiose, Sommerflieder und Monarde. Wasserdost zieht besonders Tagpfauenauge und Admiral an, Phlox lockt in der Dämmerung Taubenschwänzchen.

Wann sät man Sommerblumen für Bienen aus?

Einjährige wie Bienenfreund (Phacelia) oder Borretsch werden ab Mitte April bis Ende Juli gestaffelt ausgesät — alle 4 Wochen eine neue Reihe, damit du eine durchgehende Blühkette hast. Stauden wie Sonnenhut, Phlox oder Skabiose pflanzt du im April bis Mai oder September bis Oktober als Topfware.

Was sollte man im Garten für Bienen nicht pflanzen?

Vermeide gezüchtete, gefüllte Blütensorten — sie produzieren keinen Pollen mehr. Verzichte auf exotische Schau-Sorten wie Forsythie, Pelargonien oder klassische Dahlien-Pompons. Diese Pflanzen sind für Bestäuber nutzlos, auch wenn sie blühen.

Sind alle Sonnenhut-Sorten gleich gut für Bienen?

Nein. Die einfache violette Echinacea purpurea ist optimal. Doppelblütige Züchtungen mit verformten Mitten („Hot Papaya“, „Sundown“) sehen spektakulär aus, sind für Bestäuber aber deutlich weniger wertvoll, weil Pollen und Nektar schwerer zugänglich sind.

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— Julia

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